Pappert-Geschichten

Nur noch wenige Restexemplare!


"Minutiöse Beobachtungen aus dem Alltagsleben mit viel Sinn fürs Absurde

Pappert klingt wie "plappert", und tatsächlich erzählen die "Pappert-Geschichten", die Matthias Kehle jetzt herausgebracht hat, von Alltagsbeobachtungen und -ereignissen, wie sie jeder von sich geben könnte. Kehle schreibt über bombastische Werbeprospekte für Designprodukte, über eine Fahrt im Regionalexpress Stuttgart-Karlsruhe, ja selbst der Tod des Elefanten Trulli aus dem hiesigen Zoo findet in seinen Geschichten Niederschlag.
Aber kann das wirklich jeder so erzählen? Kehle, von der Ausbildung Soziologe, von Beruf Literat, hat ein ausgeprägtes Gespür für die ganz gewöhnlichen Schieflagen, Unstimmigkeiten oder die stillen Lebenslügen, die vielfach die Daseinsbewältigung begleiten. Sein wissenschaftliches Fach, in dem sich Kehle durch mehrere Veröffentlichungen zu Wort gemeldet hat, definiert sich nicht zuletzt über die genaue Beobachtung gesellschaftlicher Zustände und Entwicklungen. Diese Punktgenauigkeit bestimmt auch seine Erzählungen um den Single Pappert, der in lockerer, aber nicht ganz befriedigender Beziehungslosigkeit seine Tage verbringt. Sonntags gönnt er sich Brötchen, "und nicht dieses Schokomüsli, das Pappert jeden Morgen in sich hineinwürgt." Außerdem führt er Visitenkarten bei sich und wäre bei Dichterlesungen bereit, spontan für Autoren einzuspringen, die nicht auftauchen.
Aber dann spielt ihm doch sein offenbar nicht sonderlich ausgeprägtes Selbstbewusstsein einen Streich: "Wenn er, Pappert, jetzt nach vorne ginge, um etwas vorzutragen, würde wahrscheinlich wieder jemand fragen: 'Pappert sind Sie's?'" Vielleicht ist es dieses gedämpft- abgepufferte Durchsetzungsvermögen, weshalb er bei Frau Antje nicht so recht vorankommt. Sie ist das Ziel seiner unerfüllten sexuellen Wünsche und zugleich lose Partnerin, mit der ihn eine vage Nähe verbindet. "Pappert denkt, ich werde sie nie rumkriegen." - und er hat auch allen Anlass für diese Vermutung, denn mal ist Frau Antje ("Wieso nennt du mich eigentlich Frau Antje?") zu besoffen, mal hat sie gerade wieder einen neuen Freund.
Grund genug, um auszurasten? Nein, Pappert beläßt es bei einer nachgerade phlegmatischen Bestandsaufnahme: "Pappert fasst für sich zusammen: Er säuft, kriegt nachts keinen mehr hoch, erwacht mit Restalkohol, gibt kein Wort von sich, röhrt 'I was born under a wandrin' star', hat einen Radieschentick und ist untreu bis zum Gehtnichtmehr. Was findet Frau Antje an diesem Ekelpaket?" Die Antwort bleibt offen, wie immer bei Kehle, und das macht den Reiz seiner Geschichten aus, in denen immer noch ein unerwarteter Dreh steckt, wenn sie nicht gerade in wunderbar unverschämter Direktheit die Absurditäten der Gegenwart und mancher ihrer Zeitgenossen offenlegen. Kehles analytischer Blick hält das Sonnen-Bassermann-3-Kammer-Schalenmenü im Visier wie die penible Toilettenordnung einer Frauen-WG oder den sadistischen Autowahn eines Golf-Fahrers und trifft dabei mitten ins Schwarze einer Gesellschaft, die lediglich von Außen bunt ist." - Michael Hübl (Badische Neueste Nachrichten, 9. September 2003)

Matthias Kehle: Pappert-Geschichte, Erzählungen. Alkyon-Verlag, 6 Euro

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