Scherbenballett (Gedichte)


Großvater
 
Nichts weiß ich vom
Großvater Scharfschütze
sei er im Krieg gewesen
 
Einmal zeigte er auf
einen Haubentaucher im Zoo
und sagte Peng

Hinterlassen hat er
ein Spanholzschächtelchen

darin einen Fadenzähler
und ein winziges Stück Gold

eingewickelt in ein
Strafmandat (Leipzig 1947)



Matthias Kehle: Scherbenballett, Gedichte, Verlag Klöpfer & Meyer, 10 Euro.

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»Die Gedichte von Matthias Kehle bedürfen gewiss keiner ›Auslegungsversuche‹. Ihr ›stilles Wirken‹ verdankt sich ihren vergleichsweise unauffälligen Wahrnehmungen. Das Ausgelassene ist anwesend in unscheinbaren Worten, die für den dafür empfänglichen Leser Gefühle, Einsichten, Vorstellungen zur Schwingung bringen, ohne dass diese eigens ausgesprochen werden.« Walter Helmut Fritz 

Für den Gedichtband "Scherbenballett" erhielt Matthias Kehle den Thaddäus-Troll-Preis 2013.
In der Begründung der Jury heißt es: Matthias Kehle verdichtet Gesehenes, Gefühltes und Flüchtiges mit knapper und treffsicherer Sprache zu eindrücklichen Bildern. Durch Auslassungen und eine gekonnte Art der Zeilenbrechung ergeben sich auf engstem Raum Richtungswechsel und Vieldeutigkeiten. Kehles Gedichte brauchen keine großen Themen, sie sind Protokolle seiner Bewegungen in seiner Welt und seiner Blicke auf Momente mit ihrer je eigenen unerzählten Geschichte. Der lyrische Geist des leidenschaftlichen Bergwanderer, der einem breiteren Publikum durch seine Wanderbibel bekannt geworden ist, lässt sich für Augenblicke an oft völlig unspektakulären Orten nieder: neben einem Gipfelkreuz, in einem ICE, im Hotelzimmer, auf dem Weg in den Keller voller Erinnerungsfragmente. Kehle  schaut aus dem Fenster, wandert durch die Stadt, ordnet das Erbe, hat die Wetterkarte im Blick und wartet auf den nächsten Sommer. Lyrischer Langeweile beugt Matthias Kehle mit feinem Witz vor, lächelnd liest man, was noch lange nachwirkt.

Porträt des Autors in der Stuttgarter Zeitung:

Lesung aus "Scherbenballett"